Tempelessen

Kanga-an Tempel

Zu den außergewöhnlichsten und exklusivsten Restaurants in Kyoto gehört eines, an dem gar nicht dran steht, dass es ein Restaurant ist. Im buddhistische Kanga-an Tempel wird nicht nur spiritueller Hunger gestillt. Hier werden auch Spirituosen serviert, zusammen mit ausgesuchter vegetarischer Küche. Um in diesen Genuss zu kommen, bedarf es einer Reservierung. Dann darf man mit Blick auf den Zen-Garten dinieren und vorher noch in der kleinen aber feinen Bar einen Drink nehmen.

Von der Bar aus blickt man auf den sorgfältig geharkten Steingarten. Gerade einmal zehn Plätze gibt es hier an einer langen Theke bei schummrigem Licht. Zum Essen geht es in ein anderes Gebäude. Am Eingang werden die Schuhe ausgezogen, dann führt man uns in einen kleinen Raum mit papierenen Schiebetüren und Tatamimatten auf dem Boden. Zwölf Gänge gibt es, von denen einige Gerichte imitieren, die normalerweise mit Fleisch oder Fisch zubereitet werden. Vegetarische Küche ist im Buddhismus nicht zwingend vorgeschrieben, ergibt sich für viele Anhänger Buddhas aber automatisch aus dessen Lehre. Den Auftakt heute macht daher ein Sushi aus Gemüse, Pilzen, Tofu und Weizenpfannkuchen.

Kastanien-Imitat mit Nudelstacheln

Es folgt ein Ingwersüppchen mit einer eingelegten Pflaume und danach Tempura. Neben in Teig frittiertem Gemüse werden dazu auch essbare Blüten serviert. Der anschließende Sesamtofu schmeckt mir zu intensiv nach Sesam. Dafür ist das Kastanien-Imitat aus Süßkartoffeln mit Nudeln lecker. Auch wenn die harten Nudeln das Abbeißen etwas schwierig machen.

Es folgt zwei Mal Gemüse, einmal in Ingwersoße, einmal in Senfsoße. Der Senf ist hier mein Favorit. Der anschließend servierte Tofu soll geräucherten Aal imitieren. Er schmeckt zwar nicht nach Aal, aber trotzdem sehr lecker. Nach einem Salat und einem kleinen Reiskloß in Ingwersoße folgt ein Trio aus gekochtem Reis, einer leichten Gemüsesuppe mit einem Farnblättchen und eingelegtem Gemüse. Reis wird hier oft zum Schluss serviert, nicht als Beilage. So kann man erst einmal alle anderen Leckereien genießen, bevor man sich am Reis satt ist. Zum Nachtisch schließlich gibt es Obst und Tee.

Über zwei Stunden dauert es, bis alle Gänge serviert sind. Danach sind wir mehr als satt. Alles ist mit Liebe zum Detail angerichtet, Kirschblüten schmücken den Tofu, der vegetarische Aal wird auf Bambusblättern serviert, jedes Gericht kommt auf einem anderen Geschirr. Ein letzter Blick in den nächtlich beleuchteten, stillen Garten, dann bringt uns ein Taxi zurück in den Trubel der Stadt.

Mit Dank an H & J & D für die Einladung.

2 Gedanken zu „Tempelessen

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