Warum Japan das ideale Land für Alleinreisende ist

Alleinreisende

Schon seit vielen Jahren reise ich oft und gerne auch alleine durch die Welt. Ich genieße es, bei der Programmgestaltung maximale Flexibilität zu haben, weil ich mich mit niemandem absprechen muss. Egal, ob ich einen Museums-Marathon plane oder einfach mal einen halben Tag mit einem guten Buch im Strandcafé verbummeln will. Alles kann, nichts muss. Aber in vielen Ländern dieser Welt ist man als Alleinreisende(r) leider nicht immer der beliebteste Gast, gerade auch in Deutschland. Da bekommt man im Café einen eher unattraktiven Tisch zugewiesen, damit die bessere Lage frei bleibt für Leute, die zu viert oder wenigstens zu zweit kommen. Auch bei Hotelzimmern kriegt man als Alleinreisende(r) nicht immer die Sahnestückchen – trotz Einzelzimmerzuschlag. Wie wohltuend ist es da, in Japan alleine herum zu reisen. Nicht nur, weil Service in diesem Land grundsätzlich groß geschrieben wird. Hier sind viele Restaurants und Hotels ausdrücklich auch auf Gäste eingestellt, die alleine kommen.

Bevor wir ins Detail gehen, ein paar offensichtliche Fakten vorweg. Japan ist vor allem auch deswegen ideal für Alleinreisende – und vor allem allein reisende Frauen! – weil es ein sehr, sehr sicheres Reiseland ist. Ich fühle mich hier ehrlich gesagt sogar sicherer, als daheim in Deutschland. Jedenfalls, was die Kriminalität angeht. Erdbeben und Taifune sind eine andere Nummer. Japans Bonus Nummer zwei: das unglaublich gute Zug- und Fernbusnetz. Irgendwie kommt man (fast) immer mit öffentlichen Verkehrsmitteln ans Ziel. Und wenn es auf den letzten Metern doch mal an einer Busverbindung hapert, gibt es meist einen Taxiservice.

Die Sache mit dem Essen gehen

Was mich am Alleinreisen oft nervt, ist das Abendessen. Das ist so ein Pärchen-Ding, da wird man als Alleinreisende gerne mal neugierig bis mitleidig von den anderen Gästen angeschaut, während der Wirt sehr offensichtlich im Geiste ausrechnet, was ihm dieser Tisch mit größerer Besetzung hätte einbringen können. Meist gehe ich auf Alleinreise daher mittags warm essen und hole mir abends nur eine Kleinigkeit zum Mitnehmen. Nicht so in Japan. Hier sind gerade abends unglaublich viel Leute alleine in Restaurants unterwegs. Viele Angestellte essen auf dem Heimweg eine Nudelsuppe, Sushi oder ein Curry (die japanisierte Variante, auf Japanreise unbedingt ausprobieren!).

Egal ob im Schnellrestaurant oder der gehobenen Gastronomie, fast überall gibt es eine Theke, an der man nicht zum Trinken sitzt, sondern zum Essen. Hier werden die Gäste ohne Begleitung hingesetzt, was auch deswegen gut funktioniert, weil man in Japan nach dem Essen direkt zahlt und geht. Hier bleibt man nicht noch gemütlich sitzen um, ein Fläschchen Wein zu trinken und zu quatschen. Das wäre unhöflich, denn andere warten vielleicht schon auf einen freien Tisch. Wenn ich alleine essen gehe, nehme ich also an der Theke Platz. In meinem liebsten Sushirestaurant lassen sie zunächst sogar immer einen Platz zwischen den Gästen frei. Erst wenn es voll wird, werden die Stühle dazwischen belegt. Wer es noch anonymer möchte: nicht wenige Restaurants haben am Eingang einen Automaten stehen, an dem man sein Menü auswählt, zahlt und dem Personal nur noch den Bon gibt. Das Essen kommt relativ zügig, und sobald man fertig ist, kann man direkt gehen, gezahlt hat man ja schon.

Einzelzimmer sind Einzelzimmer

Womit wir beim Thema Hotelzimmer wären. Es gibt in Japan so genannte Business Hotels, die – wie der Name schon sagt – auf Geschäftsreisende ausgelegt sind. Die Zimmer sind schlicht aber sauber, und es steht tatsächlich auch nur ein Einzelbett drin. Damit ist diese Kategorie Hotels deutlich günstiger als die regulären Touristenhotels. Einziger Nachteil: sie bieten oft kein Frühstück. Aber dafür gibt Kaffeehausketten aus dem In- und Ausland, wenn es Koffein und eine Sandwich sein sollen, oder Restaurants und Märkte, wenn man eine Nudelsuppe am frühen Morgen mag (mag ich!). Alternativ gibt es hier nicht nur viele Hostels, sondern auch die japanische Spezialität des Kapselhotels. Hier schläft man in seiner kleinen Plastikbox im großen Schlafsaal. Wenn man möchte, kann man im Aufenthaltsraum mit Mitreisenden ins Gespräch kommen, muss man aber nicht.

Lange Rede, kurzer Sinn: hier alleine zu reisen ist wunderbar entspannt. Und ich weiß jetzt schon, dass ich mir zurück in Deutschland noch so manches Mal die gute alte Zeit in Japan zurückwünschen werde …

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