Reisen nach Farben

Takinoue Phlox

Allen futuristischen Großstädten und Super-Schnellzügen zum Trotz: die Japaner lieben die Natur. Und reisen gerne durch ihr Land, wenn irgendwo Blumen blühen oder es sonst ein Naturphänomen zu sehen gibt. Es gibt hier Orte, da ist das ganze Jahr nix los. Außer an drei, vier Wochen im Jahr, in denen ein kleiner aber feiner Blumengarten überrannt wird. Die Ticketpreise steigen in dieser Zeit mit der Zahl der in voller Pracht erblühten Blumen, und die lokalen Verkehrsbetriebe setzen Sonderbusse ein. Und sobald die Saison vorbei ist, kommt wieder ein Jahr keiner vorbei. Als kultursensible Immigrantin mache ich da natürlich mit. Hier einige Beispiele für äußerst farbenbfrohe und zugleich intergrationsfördernde Ausflüge:

Rotes Blütenmeer

Das mit dem Blütenmeer ist in diesem Falle wörtlich zu nehmen, die scheiden nämlich die Blüten ab und lassen sie im Wasser schwimmen. Tatort: der Yuushien Garten in Matsue. Er ist berühmt für sein Pfingstrosen-Festival. Die riesigen Blüten werden von Hand in Plastikkästen arrangiert, die zu hunderten auf den Seen des Gartens schwimmen oder zwischen Bäumen arrangiert werden. Dazu gibt es im Gewächshaus eine Schau mit den schönsten Pfingstrosen-Sorten, bei der die Besucher ihren Favoriten wählen können.

Yuushien Garten
Pfingtsrosen-Meer im Yuushien Garten in Matsue

Ein Vulkan macht Blau

In Biei auf Hokkaido gibt es einen Teich, der einfach nur Blauer Teich heißt. Und der Name ist Programm. Je nach Jahreszeit und Wetter erstrahlt das Wasser in einer Farbe zwischen Dunkelblau und einem knalligen Türkis. Der Teich ist als Überlauf gedacht, wenn der nahe gelegene Vulkan mit dem Namen Tokachi das nächste Mal ausbricht. Dann wird nämlich eine Lawine aus Schlamm und Schmelzwasser (im Mai lag noch Schnee oben auf dem Vulkangipfel) ins Tal gespült. Und davon will man möglichst viel schon vorher auffangen. Die Farbe des Wassers hat mit ganz viel Chemie zu tun. Die Kurzfassung: Aluminium aus einer nahen heißen Quelle (ein kleines Geschenk des Vulkans) reflektiert das Blau des Himmels, während Schwefel und Kalk das Gestein am Boden des Teichs weiß gefärbt haben und so den Effekt verstärken. Ich war zwei Mal am Wasser, einmal am Abend und dann noch einmal am nächsten Morgen. Und die Farbe war tatsächlich unterschiedlich. Während im Hintergrund der Vulkan fröhlich vor sich hin rauchte.

Pretty in Pink

Das Örtchen Takinoue auf Hokkaido ist ziemlich unscheinbar. Bis auf ein paar kurze Wochen im Frühling. Dann erblüht eine ganze Bergflanke in Rosatönen. Seit vielen Jahren schon gehört dieses Park aus Phlox-Blumen zu einem der Highlights für Blumenliebhaber. Ich war ein paar Stunden dort (die Fernbusverbindungen lassen zu wünschen übrig, aber es gibt immerhin welche), und die Reisgruppen wurden busseweise angekarrt. Passend zu den Blumen gab es rosa Eis, jede Menge rosa Souvenirs und natürlich hat der Park auch ein besonders niedliches Maskottchen. Ich war eigentlich noch etwas zu früh da, es geht nämlich noch pinker, wenn man den Broschüren des Tourismusbüros glauben darf.

Die Farbe von Sand

Die größten Sanddünen Japans sind in Tottori zu finden. Und ja, die sind groß. Verdammt groß. Und obendrauf ist es auch ziemlich windig. Ich habe noch Tage später Sand in meinen Hosentaschen gefunden, den der Wind dort hinein geweht hat. Die serviceorientierten Japaner haben einen Sessellift vom Sandmuseum zur Düne und zurück gebaut, Kamele fürs Foto importiert und lassen jedes Jahr internationale Künstler Sandfiguren bauen.

Sanddüne Tottori

Durch lila Tunnel

Den Kawachi Wisteria Garten in der Nähe von Kitykyushu habe ich gleich zwei Mal besucht. Bei meinem ersten Besuch war es nämlich noch zu früh, da fingen die Wisterien gerade erst an zu Blühen. Also bin ich eine Woche später nochmal hin. Dieser Garten liegt eine Dreiviertelstunde vom nächsten Bahnhof entfernt, und es gibt tatsächlich einen kostenlosen Shuttlebus, um ein Verkehrschaos zu verhindern, die Zahl der Parkplätze ist nämlich äußerst begrenzt. Bei meinem ersten Besuch haben sie mich für 500 Yen reingelassen (etwa 4 Euro). Eine Woche später lag der Eintrittspreis schon bei 1.500 Yen. Highlight des eigentlich sehr kleinen Gartens ist ein Tunnel, der komplett mit Wisterien zugewachsen ist.

Es grünt so grün

Ich habe hier schon einmal erwähnt, dass Japaner sehr viel von Moos halten (und ich inzwischen auch). Zu den berühmtesten Moosgärten Japans gehört der des Saihoji Tempels hier in Kyoto. Besuchen kann man ihn nur mit Voranmeldung, die ganz altmodisch mit einer Postkarte erfolgen muss. Nachdem die Besucher sich in meditativer Kalligraphie geübt haben, dürfen sie endlich in den Garten. Geschätzte 120 verschiedene Arten Moos wachsen hier. Dieser eher minimalistische Garten ist wahrscheinlich nicht jedermanns Sache, aber mir hat es gefallen!

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