Japaner, die auf Pflaumenbäume starren

Dass die Kirschblüte in Japan ein großes Ereignis ist, das ist auch im Ausland bekannt. Was viele aber nicht wissen: wenn einige Wochen vor den Kirschen die Pflaumenbäume ihre Blüten öffnen, werden sie dafür von den Japanern nicht weniger enthusiastisch gefeiert. Die Pflaumenblüte läutet hier nämlich offiziell das Ende des Winters ein. Gleichzeitig gelten Pflaumenbäume als Glücksbringer, weil sie das Böse abhalten. Gute Gründe also, die zarten Blüten ausgiebig zu würdigen. Vor allem Tempelgärten sind zu dieser Zeit gut besucht und bieten oft auch gleich noch Tanzaufführungen oder Teezeremonien an.

Hier in Kyoto gibt es gleich mehrere solcher Gärten, die für die Pflaumenblüte berühmt sind. Den größten Besucheransturm habe ich im Jonan-gu Schrein erlebt (siehe Foto oben), der nicht nur ungefähr 150 Pflaumenbäume sein Eigen nennt. Gleichzeitig mit den Pflaumen blühen auch noch die Kamelien. Um ein Ticket zu kaufen, musste ich eine gute Viertelstunde anstehen, dann ging es im Trippelschritt mit der Menge durch den Garten. Und das, obwohl ich an einem Vormittag unter der Woche dort war. Was da am Wochenende los ist, will ich lieber nicht wissen. Trotz des Besucherandrangs lohnt es sich aber, denn hier erfreut sich nicht nur das Auge, die Bäume riechen auch noch wahnsinnig gut.

Vorne Kamelien, hinten Pflaumenblüte im Jonan-gu Schrein

Tee und Kekse gab es zur Pflaumenblüte im Kitano Tenman-gu Schrein. Allerdings keinen grünen Tee, sondern einen Algentee. Ehrlich gesagt schmeckte das Ganze ein bisschen wie heißes Salzwasser. Aber das Schälchen Tee und die Kekse waren im Preis inklusive. Da kann man zumindest mal probieren. Ein Pflaumenhain gehört auch zu den diversen Gärten rund um die Burg Nijo. Dieser Hain ist nicht ganz so groß wie die Tempelgärten, die ich besucht habe, aber er beherbergt dafür unter anderem zwei Pflaumenbäume, die sowohl weiße als auch rosa Blüten haben – was nicht Mutter Natur zu verdanken ist, sondern geschickten Gärtnern, die hier jeweils zwei Bäume zu einem haben verwachsen lassen.

Übrigens sind die Pflaumenbäume nicht nur hübsch anzusehen, ihre Früchte sind aus der japanischen Küche auch nicht wegzudenken. Die japanische Pflaume sieht eher wie eine Aprikose als eine Zwetschge aus, und es gibt hier Läden, die verkaufen nur Pflaumenprodukte. Traditionell ist das Pflaumenwein (umeshu). Daneben vor allem salzig eingelegte Pflaumen, die hier als umeboshi bekannt sind, und mit Reisgerichten gegessen werden. Den Touristen zuliebe gibt es inzwischen aber auch Pflaumenmarmelade. Der Fortschritt macht auch nicht vorm Pflaumenhain halt.

Blick in den Pflaumengarten des Jonan-gu Schrein

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