Noch mehr literarische Begleiter

Bevor ich mich nach Japan aufgemacht habe, habe ich hier schon einmal einige Bücher über das Land der aufgehenden Sonne vorgestellt. Inzwischen habe ich noch so manches gelesen, hier eine kleine Auswahl weiterer empfehlenswerter Lektüre:

Alex Kerr: Lost Japan – Last Glimpse of Beautiful Japan

Dies ist die 2015 erschienene Neuauflage eines Buches, das 1993 das erste Mal herausgegeben wurde. Kerr lebt seit Jahrzehnten in Japan und ist überwiegend in der Kunstszene unterwegs. Sein Buch gibt daher vor allem einen Einblick in Kunstformen wie Kalligraphie oder Kabuki-Theater. Er schreibt über klassische japanische Architektur, die Teezeremonie und Musik. Lost Japan ist ursprünglich für ein japanisches Publikum geschrieben worden, dem Kerr den Niedergang all dieser Traditionen aufzeigen wollte. Das alleine macht das Buch schon interessant. Es gibt viele Blicke hinter die Kulissen, denn der Autor ist mit Kabuki-Darstellern befreundet, betreibt selber Kalligraphie und renoviert alte Häuser in ländlichen Gebieten. Der Stil ist manchmal ein bisschen verkopft, aber alles in allem durchaus eine lohnende Lektüre, die mal ganz andere Aspekte dieser Kultur beleuchtet. Für mich eine interessante Ergänzung zu den übrigen Büchern, die ich bisher über Japan gelesen habe.

Penguin

etwa 10,- Euro

Nahoko Uehashi: The Beast Player

An dieses Buch bin ich zufällig gekommen. Und auch wenn es für Jugendliche ist, hat die Lektüre Spaß gemacht. Ein solider Fantasy-Roman, der für ein Jugendbuch ganz schön komplex ist. Denn die junge Protagonistin wird aufgrund ihrer Fähigkeit, mit wilden Tieren kommunizieren zu können, zum Spielball politischer Gegner, die sie und die riesigen „Königlichen Biester“ für ihre Zwecke einsetzen wollen. Was mir besonders gefallen hat: auch wenn die Welt dieser Geschichte eine erfundene ist, in der es fliegende Biester und riesige, berittene Wasserschlangen gibt, merkt man an vielen Details, dass die Autorin Japanerin ist. Da wird mit Stäbchen gegessen und aufgetischt wird Wildschwein in Misosoße. Man zieht sich beim Betreten eines Hauses die Schuhe aus, verbeugt sich viel voreinander und ab und zu bebt die Erde. Das Buch enthält die ersten beiden der insgesamt vier Bände dieser Reihe. Da es erst letztes Jahr erschienen ist, hoffe ich mal, der Rest kommt auch noch in Übersetzung raus. Ich habe aber schon recherchiert, dass die Geschichte im nächsten Band elf Jahre nach dem Ende dieses Buches beginnt. Die Story reißt also nicht mittendrin ab, sondern ist tatsächlich ein Stück weit abgeschlossen.

Pushkin

etwa 10,- Euro

Martin Lutterjohann: KulturSchock Japan

Dieses Buch beleuchtet die wichtigsten Aspekte der japanischen Gesellschaft und Kultur. Von Religion bis Geschlechterrolle, von traditionellen Künsten bis moderner Technik findet man hier einen guten Überblick, um das ein oder andere Fettnäpfchen großzügig zu umfahren. Ein Kapitel widmet sich zudem dem korrekten Verhalten, wenn man bei Japanern zu Gast ist. Eine bunte und interessante Mischung, lediglich die an verschiedenen Stellen wie ein Fortsetzungsroman eingefügte Geschichte eines deutschen Paares, das sich beim Japan-Besuch an allen Ecken und Enden daneben benimmt, ist etwas altbacken und überflüssig. Das Buch eignet sich für Japan-Anfänger, aber auch Fortgeschrittene finden hier noch Interessantes.

Reise Know-How Verlag

14,90 Euro

Steve Wide and Michelle Mackintosh: Kyoto – A pocket guide to the city’s best cultural hangouts, shops, bars and eateries

Die Autoren reisen regelmäßig nach Japan und vor allem nach Kyoto. Die Stadt bietet nicht nur im Bereich der traditionellen Künste ein Menge, auch viele junge Designer und Künstler sind hier unterwegs. In diesem Buch findet man daher zahlreiche Tipps, in welche Hinterhöfe und hippe Läden man mal reinschauen sollte, weil da die Kunstszene boomt oder erstklassiges Essen lockt. Ich habe mit dem Buch schon einige Läden entdeckt, die mir sonst garantiert entgegen wären. Neben ausführlichen Tipps für Kyoto selber gibt es auch für die bekannten Ausflugsziele in der Umgegend wie Nara, Uji oder Arashiyama jede Menge lohnenswerte Hinweise für Speis, Trank und Shopping, aber auch für Tempel und Museen.

hardle grant books

etwa 10,- Euro

Hitonari Tsuji: Warten auf die Sonne

Ein alternder Regisseur, der auf den perfekten Sonnenaufgang für seinen Film wartet – und mit ihm allmorgendlich 1.000 Komparsen. Ein Mafiosi, dem etwas Wichtiges abhanden gekommen ist, was naturgemäß zu leichten Verstimmungen bei seinem Chef führt. Ein junger Mann, der in die Freundin seines im Koma liegenden Bruders verliebt ist. Und zwischendurch im Rückblick Auszüge aus dem Tagebuch eines amerikanischen Kriegsgefangenen, der ausgerechnet in Hiroshima interniert ist und weiß, dass die Amerikaner dort in Kürze eine Atombombe abwerfen werden. Klingt nach einem verwirrenden Mix? Ist es auch. Aber die Geschichten fügen sich tatsächlich ineinander. Der Verlag zitiert auf dem Klappentext eine Rezension, die Tsuji mit Haruki Murakami vergleicht. Was in meinen Augen nicht unbedingt die beste Werbung ist, denn Murakamis Vorliebe für offene Enden geht mir manchmal gehörig gegen den Strich. Tsuji gönnt seinen Lesern dagegen nach etwas mehr als 400 Seiten einen Schluss, bei dem sich die Dinge zumindest größtenteils auflösen.

Piper

nur noch antiquarisch erhältlich

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.