Kumejima – das entspannte Stückchen Japan

Ganz im Süden Japans, näher an Taiwan als an Tokyo, liegt die Präfektur Okinawa, die aus zahlreichen kleinen Inseln mit weißem Strand und azurblauem Wasser besteht. Eine dieser Inseln ist Kumejima. Hier leben etwas mehr als 8.000 Menschen auf knapp 60 Quadratkilometern. Die offizielle Karte der Touristeninformation führt jeden kleinen Laden, jedes Café, jede Shrimpsfarm und jeden bizarr geformten Felsen auf – die Anzahl der Attraktionen hält sich in Grenzen. Der Autoverkehr dafür auch, und in diesem Stückchen Japan kann man tatsächlich mal auf angenehme Weise einsam sein. Purer Luxus in einem Land, in dem Schlange stehen sonst an der Tagesordnung ist.

Die Präfekturhauptstadt Naha liegt ein paar Inseln weiter. Von dort aus kann man wahlweise mit einer Fähre (3 Stunden) oder einem 30-minütigen Flug nach Kumejima weiterreisen. Der Mann will fliegen, ich fahre gerne Schiff. Kompromiss: wir fliegen hin und schippern drei Tage später zurück. Unser Hotel liegt direkt am Strand (wer es genau wissen will: am Eef Beach). Der Linienbus vom Flughafen hält vor der Tür. Weil es so wenige Hotels auf der Insel gibt, klappert der Bus sie alle einzeln ab. Das Hotelpersonal spricht kaum Englisch. Aber wir sind auch die einzigen nicht-asiatischen Gäste. Hier genießen viele Japaner Urlaub im eigenen Land. Vor allem jetzt, wo es kalt ist in weiten Teilen Japans, hier aber Temperaturen zwischen 20 und 25 Grad herrschen. Die meisten Touristen kommen aber aus Taiwan, von wo aus es gerade einmal eineinhalb Stunden Flug sind. Wir dagegen fallen so sehr auf, dass uns am zweiten Tag ein Mann von der Tourismusbehörde abfängt und gleich mal ausfragt, was uns denn nach Kumejima verschlagen hat.

Badewanne mit Meerblick

Das Wetter könnte besser sein. Der Regen ist zwar warm, aber eben immer noch Regen. Zum Glück liegen drei der Attraktionen der Insel nicht zu weit von unserem Hotel entfernt. Wir machen uns auf zu den Tatamifelsen (großes Bild oben). Die heißen so, weil diese gestückelten Steine an die berühmten japanischen Tatamimatten erinnern. Entstanden sind sie bei einem Vulkanausbruch. Und was von oben wie ein paar flache Steine aussieht, sind in Wahrheit Steinsäulen, die 400 Meter in die Erde ragen. Wir sind angesichts des Regens relativ schnell beeindruckt und gehen nebenan ins Sea Turtle Museum. Das hat sich der Rettung dieser Meeresbewohner verschrieben, und führt u. a. Müllsammelaktionen am Strand durch und kümmert sich um verletzte Tiere. Die Ausstellung ist ausschließlich auf Japanisch beschriftet. Das Museum ist leider schon in die Jahre gekommen, und das Becken, in dem acht riesige Schildkröten schwimmen, scheint zu klein zu sein für so viele Tiere. Die knabbern mit ihren scharfen Schnäbeln eifrig an den Betonkanten. Man könnte meinen, sie wollen ausbrechen. Ich bin ehrlich gesagt etwas enttäuscht. Nicht einmal eine halbe Stunde später stehen wir wieder im Regen. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Wenn schon nass, denn wenigstens richtig. Nebenan liegt das Bade Haus. Und das heißt wirklich so, in zwei Worten und auf Deutsch. Hier wird Meereswasser auf 35 Grad im Innen- und 39 Grad im Außenbereich aufgeheizt. Serviceorientiert, wie die Japaner so sind, kann man vor Ort alles bekommen, was man für einen Tag im warmen Pool braucht. Wir haben Badesachen dabei, und leihen uns nur noch Handtücher. Aber auch eine Badeanzug wäre im Angebot gewesen. Drinnen gibt es Shampoo und Duschgel, sterilisierte Bürsten, Wattestäbchen und eine Schleuder, um das nasse Badezeug zu trocknen. Wir beginnen unser Bad mit einer Runde unter den Massagestrahlen. Das sind sieben an der Zahl, und die arbeiten sich vom Kopf bis zu den Waden. Gegenüber zählt eine Lichtinstallation auf dezente Art eine Minute runter. Dann wechselt alle brav zum nächsten Strahl. Andere wollen schließlich auch mal den Nacken massiert bekommen.

Jetzt aber ab nach draußen. Der Wind ist ein wenig kalt, aber einmal im warmen Pool, ist das Regenwetter gar nicht mehr schlimm. Der Außenpool blickt auf den Strand, die Tatamifelsen und das azurblaue Meer. Bei besserem Wetter könnte man sich daneben noch auf eine Sonnenliege betten (oben). So aber weiche ich mich mal schön in salzigem Wasser mit Ausblick ein. Soll ja gesund sein. Und angeblich schön deutsch, daher der Name des Bades.

Auf der Jagd nach den Attraktionen

Am nächsten Morgen ist es bewölkt, aber trocken. Wir mieten uns im Hotel Fahrräder und machen uns auf, die gesammelten Attraktionen der Insel abzuradeln. Wir fahren zuerst zum Inselmuseum. Ein sehr moderner Bau, Flyer in Englisch, aber die Ausstellung selber ist ausschließlich auf Japanisch beschriftet. Dafür ist der Eintritt günstig, und manche Dinge sind selbsterklärend. Etwa das Messinstrument zur Bestimmung der Ananasqualitätsklasse (rechts).

Das Glühwürmchenmuseum hat leider heute zu, schade, ich war wirklich neugierig, was es da zu sehen gibt. Weiter geht es zum Yamahatoyuntaku Market. Wie gesagt, die Attraktionen sind dünn gesät, und wir finden uns nicht auf einem Wochenmarkt wieder, sondern in einem Tante Emma-Laden mit frischem regionalen Gemüse und lokalen Souvenirs. Außerdem serviert die nette Dame hinter der Theke eine Nudelsuppe, die wir mit Ausblick genießen, der Markt liegt nämlich auf einem Hügel.

Bergetappe

Weiter geht es, der Tropical Fish Pool wartet. Die Insel hat nicht nur wunderbare Sandstrände, sondern auch viel zerklüftetes Vulkangestein an der Küste zu bieten. Bei Niedrigwasser bleibt an dieser Stelle in vielen Vertiefungen im Gestein Wasser zurück, in dem tropische Fische auf die nächste Flut warten (links). Es ist nicht immer ganz ungefährlich, über die Felsen mit ihren scharfen Kanten zu klettern. Dafür können wir tatsächlich einige ziemlich bunte Fische sehen und Seesterne beobachten (ganz unten), die sich erstaunlich schnell fortbewegen.

Nach dem Blick in die Tiefen des Ozeans führt uns der Weg den Berg hinauf. Die Insel ist recht hügelig, und wir müssen ordentlich in die Pedale treten. Oben wartet eine weitere Attraktion, ein Aussichtspunkt mit kleinem Shop. Wir gönnen uns ein Eis, genießen den Blick auf die Sandbänke vor der Insel, eine Shrimpsfarm und eine Brücke, die es laut Touristenkarte zu bewundern gilt. Dann machen wir uns auf, die Runde für heute zu beschließen und zurück zum Hotel kommen. Von nun an geht es vor allem bergab. Halleluja! Dafür wird es langsam dunkel, und unsere Räder haben kein Licht. Offensichtlich sieht man das hier nicht so eng.

Ziemlich kaputt kommen wir wieder im Hotel an. Wir haben ein paar Felsformationen ausgelassen und auch nicht jeden empfohlenen Strand gesehen. Aber einen nicht unerheblichen Teil der Attraktionen haben wir abgearbeitet. Nun gönnen wir uns im Hotel-eigenen Badehaus ein heißes Bad – auch hier mit Aussicht auf den Strand. Die Japaner auf Kumejima mögen vielleicht nicht so gestresst sein, wie ihre Mitbürger auf den Hauptinseln. Vom Entspannen verstehen sie trotzdem eine Menge.


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