Ein Bild sagt mehr als tausend Schriftzeichen

Auch nach einem halben Jahr in Japan gibt es immer noch Dinge, die mich regelmäßig überraschen. Zum Beispiel die Tatsache, dass hier sehr viele sehr ernste Dinge sehr niedlich illustriert sind. Die japanische Variante unseres Sprichwortes von dem Bild, das mehr als tausend Worte sagt, lautet in etwa: Einmal sehen ist mehr als hundertmal hören. Und das wendet man hier gerne großzügig an. Ich habe mittlerweile ein kleine Sammlung ausgefallener bildlicher Darstellungen seriöser Sachverhalte, von denen ich einige an dieser Stelle gerne teile.

Einer meiner absoluten Favoriten ist dabei die Geisha mit dem Bauhelm (großes Bild oben), die ich gleich mehrfach entlang einer Baustelle auf einer Brücke fand. Einfach herrlich, wie der Inbegriff japanische Eleganz mit Kopfschutz um Verzeihung für die Unannehmlichkeiten bittet, die die Renovierung der Brücke mit sich bringt.

Dass die Hirsche von Nara nicht immer nur friedliche Zeitgenossen sind, darüber habe ich vor einiger Zeit schon geschrieben. Aber die offiziellen Warnschilder im Park machen trotzdem nur mäßig Eindruck auf mich, weil sie einfach viel zu niedlich sind und direkt aus einem Comic stammen könnten. Handtaschen-Tauziehen mit einem Hirsch scheint hier eher eine vergnügliche Angelegenheit zu sein.

Aber nicht nur Tiere übertreten manchmal Grenzen, auch Touristen sind eine Spezies, die Warnhinweise braucht. Dieses Schild stammt aus Gion, einem der Geisha-Distrikte hier in Kyoto. Denn offensichtlich gibt es Besucher, die schamlos an den Geishas zupfen.

Dieses wunderbare Schild habe ich am Ujigawa Fluss entdeckt. Wir dürfen mal annehmen, dass man hier nicht schwimmen soll, weil der Fluss sehr, sehr böse ist …

In diesem Land werden die Straßen von den Anwohnern gefegt. Jeder kehrt hier im wahrsten Sinne des Wortes vor seiner eigenen Tür. Mit diesem kleinen Poster, das angelehnt ist an den berühmten ersten Manga Japans, wird jedem, der Müll auf die Straße wirft, auf charmante Art gezeigt, dass ein anderer ihn aufheben muss.

Im Zoo von Kyoto habe ich diese beiden Bilder gefunden. Dass so ein Schabrackentapir sein Revier markiert, geschenkt. Aber das Gesicht, das die volle Ladung abbekommt, ist sowas von herrlich!

Das zweite Poster ist aus dem Streichelzoo. Ich mag die sehr bildliche Darstellung davon, wie gefährlich so ein Meerschweinchen sein kann, wenn es erstmal die Zähne in einen Finger geschlagen hat. Auch schön die Anleitung für das korrekte Ausstechen von Meerschweinchenaugen. Autsch!

Wenn wir Bäume abholzen, vergeht den Häusern das Lachen …

Der Enkeltrick – jetzt auch in Japan!

Dieses Plakat der japanischen Bahn beweist: auch wenn man betrunken ist, kann man trotzdem korrekt gekleidet sein.

Dieses herrliche Schild hängt vor der Praxis eines Chiropraktikers hier um die Ecke. Warum brauchen die im Medizinstudium eigentlich so lange, wenn alles doch so einfach zu erklären ist?

4 Gedanken zu „Ein Bild sagt mehr als tausend Schriftzeichen

  1. Liebe Sabine,

    das sind ja interessante Plakate und der Eingangssatz zur visuellen Kommunikation, den können sich viele PowerPoint Praktiker hinter die Ohren schreiben! Schöne Weihnachten in der Fremde!

    Uli

    1. Lieber Uli,
      vor allem die Experten, die ihre Folien winzig klein vollschreiben und das dann auch noch alles möglichst emotionslos vorlesen, könnten von den Japanern viel lernen …
      Euch auch schöne Feiertage!
      Gruß
      Sabine

    1. Liebe Heidi,
      es wird noch einen kleinen Beitrag zu/an Weihnachten geben, keine Sorge. Was den Humor betrifft: der ist bei diesen Beispielen ja eher unfreiwillig. Im täglichen Miteinander gilt die berühmte japanische Höflichkeit als das Maß der Dinge …
      Liebe Grüße
      Sabine

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