Fünf Gründe, warum man auf Miyajima übernachten sollte

Selbst wer den Namen Miyajima noch nie gehört hat, hat wahrscheinlich trotzdem schon die bekannteste Sehenswürdigkeit der Insel gesehen: das torii im Meer, das auf ungefähr jedem zweiten Buch über Japan zu finden ist. Um dieses Tor und den dazu gehörenden Itsukushima Schrein zu sehen, fahren täglich unzählige Besucher mit der Fähre auf die Insel in der Bucht von Hiroshima. Und meist auch nach wenigen Stunden wieder zurück. Dabei gibt es eine Reihe guter Gründe, mindestens eine Nacht auf der Insel zu bleiben.

Abends hat man Miyajima für sich

Tagsüber ist vor allem der Bereich zwischen Fähre und Schrein, in dem die Haupteinkaufsstraße liegt, so voll, dass man ob der Menschenmassen eigentlich schon keine Lust mehr hat, sich irgendwas anzugucken. Aber ab 15 Uhr wird es leerer und ab 17 Uhr hat man die Insel fast für sich. Die Touristen fahren zurück nach Hiroshima, die Souvenirläden machen zu, und es ist fast schon eine Herausforderung, noch ein geöffnetes Restaurant für das Abendessen zu finden. Denn viele Gastronomen setzten ausschließlich auf Tagestouristen. Verhungern muss trotzdem keiner, und die Stadt bekommt eine ganz neue Perspektive, wenn sie so ruhig ist. Da kann man sogar den Hirschen, die auf der Insel frei herumlaufen, bei der Brunft auf dem Parkplatz vor dem Fähranleger zugucken (was die Damenwelt davon hält: siehe links).

Mehr ist manchmal einfach mehr

Außer dem Itsukushima Schrein gibt es noch eine ganze Reihe anderer Sehenswürdigkeiten auf der Insel – man muss nur Zeit dafür haben. Der Daisho-in Tempel (rechts) zum Beispiel liegt verwunschen im Wald und besteht aus verschiedenen Gebäuden, die sich zu erkunden lohnen. Beim Geruch der Räucherstäbchen fühlt man sich in einer anderen Welt und so gar nicht in Japan. Die von Gläubigen liebevoll gestrickten Mützchen für die Buddhafiguren sind einfach rührend, und die vielen Gebetsmühlen wollen gedreht werden, um für Lebensglück und Reichtum zu sorgen. Und falls es doch nochmal das berühmte torii sein soll: Ab etwa sechs Uhr abends gibt es Bootstouren zum beleuchteten Tor, einschließlich ausgedehntem Fotostopp.

Ohne nasse Füße bis ans Tor

Bei Ebbe kann man bis ans torii laufen, ohne nasse Füße zu bekommen (siehe großes Foto oben). Und wenn man länger als nur ein paar Stunden bleibt, dann ist die Chance groß, dass man auch eine Ebbe miterlebt. Und wenn dann noch morgens Niedrigwasser ist, bevor die Tagestouristen einfallen: Bingo! Aus der Nähe kann man nicht nur wunderbar sehen, wie groß die Baumstämme sind, aus denen das torii gemacht wurde. Die Stämme sind zudem im unteren Bereich mit Muscheln bewachsen, die das Kleingeld, das die Leute ins Wasser werfen, fest umschließen und so unlösbar mit dem Tor verbinden.

Der Berg ruft

Vom Misen, dem höchsten Berg der Insel, hat man einen wunderbaren Blick auf die Bucht, in der es noch jede Menge andere Inseln gibt. Da der übliche Plan der Tagestouristen erst den Itsukushima Schrein und dann alles andere vorsieht, sind alle die klar im Vorteil, die den Schrein nach dem Frühstück links liegen lassen und den Tag auf dem Berg beginnen. Die gute Nachricht: es gibt eine Seilbahn! Und morgens kann man direkt einsteigen. Als wir uns mittags auf den Rückweg ins Tal gemacht haben, waren die Seilbahnkabinen nach oben dagegen proppevoll und es gab lange Warteschlangen. Antizyklisches Reisen ist eben immer ein Gewinn.

Raus aus dem Gewusel der Stadt

Japan ist ein dicht besiedeltes Land. Schon alleine deshalb, weil viele kleine Inseln ebenso wie viele Bergregionen gar nicht besiedelt werden können. Ich fand es nach drei Monaten in der Metropole Kyoto ungemein entspannend, mal eine Nacht in einem kleinen Dorf zu verbringen. Miyajima hat 1.700 Einwohner und besitzt weder eine Ampel noch einen Supermarkt. Dazu noch ein traditionelle japanische Unterkunft und herrliches Sommerwetter Anfang Oktober – perfekt!

Praktische Informationen

Es gibt Schnellboot-Fähren ab Hiroshima, die regulären Fähren fahren aber ab Miyajimaguchi, das man mit dem Zug ab Hiroshima in knapp einer halben Stunde erreicht. Von dort sind es ein paar Minuten zu Fuß zur Fähre. Es gibt verschiedene Anbieter für die Überfahrt, darunter auch die japanische Bahn, deren JR Fähre mit dem Rail Pass kostenfrei genutzt werden kann.

Wir haben im Kikugawa Guesthouse wunderbar geschlafen. Die Rezeption bucht zudem gerne die abendliche Bootstour zum torii für die Gäste. In der Straße über der Haupteinkaufsstraße gibt es das nette kleine Café Sarasvati. Dort wird neben gutem Kaffee auch leckerer Kuchen serviert – und die meisten Touristen kommen nicht einmal in die Nähe.

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