Toilettenmuseum

Toilette für Sumoringer

Es gibt so gut wie kein Buch über Japan, das nicht auch über die japanische Toilette und ihre Besonderheiten philosophiert. Beheizter Toilettensitz, Popodusche, falsche Spülgeräusche, um allzu menschliche Töne zu überdecken. Deswegen wollte ich das Thema Toilette in diesem Blog eigentlich auslassen. Bis es mich nach Kitakyushu verschlagen hat. Dort ist der Hauptsitz der Firma Toto, die die Toilette überhaupt erst nach Japan gebracht und anschließend zum heute bekannten Technikwunder weiter entwickelt hat. Und die sich zum 100-jährigen Firmenjubiläum ein Toilettenmuseum gegönnt hat.

Die gute Nachricht vorweg: der Eintritt ist gratis. Dabei hätte es sich ehrlich gesagt sogar gelohnt, hierfür zu bezahlen. Ich meine, ohne dieses Museum hätte ich nie erfahren, dass in Japan für Sumoringer spezielle Toiletten hergestellt werden, die bis zu 300 Kilo Gewicht aushalten können, und für die einige sumotori eigens Modell saßen! Oder dass es ein Toiletten-Motorrad gibt! Gut, bis jetzt ist es nur ein Prototyp zu Werbezwecken. Aber das Ding ist schon 14.000 Kilometer von Kitakyushu nach Tokyo gefahren. Angetrieben von Biogas. Hergestellt aus, wie der Audioguide eigens betont, tierischen Ausscheidungen. Ein bisschen geschummelt, finde ich. Aber wir vergeben Sonderpunkte für den kreativen Einsatz von Badezimmerkeramik im Straßenverkehr.

Toilet Bike Neo

Heißer Hintern seit 1966

Neu war mir auch, dass frühe Holz-Toiletten bei Hofe extra eine Erhöhung an einer Seite besaßen, über die die ellenlangen Gewänder drapiert wurden. Und wer hätte gedacht, dass der beheizte Toilettensitz schon 1966 in Japan eingeführt wurde – und wir haben ihn bis heute nicht! Die Popodusche ist seit 1980 auf dem Markt. Intime Einblicke gibt das Museum auch in … ähähm …Staatsgeschäfte. Die Ausstellung zeigt die Badezimmereinrichtung im offiziellen Gästehaus der Regierung in Tokyo. Staatsoberhäupter und Regierungschefs dürfen sich hier auf hölzernen Toilettensitzen niederlassen. Und der Stöpsel für die Badewanne kommt am Goldkettchen.

Am Ende der Ausstellung, die auch ausgiebig über Waschbecken, Duschköpfe und Wasserhähne fachsimpelt, bleibt mir nur noch eins: auf die Toilette zu gehen. Ich bin fast ein bisschen enttäuscht, denn ich hatte in einem Toilettenmuseum mehr erwartet. Gut, es ist eines von diesen Modellen, bei denen sich automatisch der Deckel öffnet, wenn sich jemand nähert. Aber die Sprühoptionen sind eher Standard, das falsche Spülgeräusch auch. Immerhin gibt es zwei Sorten bunt bedrucktes Toilettenpapier, eines für Kinder, eines für große Menschen. Und damit enden knapp zwei Stunden Toilettenkunde.

Ursprünglich hat die Firma Toto übrigens Geschirr produziert, und eine Tochtergesellschaft tut das bis heute. Ein Kreislaufsystem sozusagen. Und was nach der Toilette kommt, darüber habe ich vor einigen Wochen gebloggt, als ich mich über Japans Kanaldeckel-Kunst ausgelassen habe. Mein Japanisch mag immer noch eine Schande sein, aber fürs Leben lerne ich hier wirklich enorm!

1 Gedanke zu „Toilettenmuseum

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