In Sand gebettet

Beppu ist nicht nur bekannt für seine heißen Quellen, in denen man baden kann. Hier kann man sich auch in warmen Sand eingraben lassen, der von vulkanisch erhitztem Wasser erwärmt wird. Das soll gesund sein und entspannen sowieso – und weil es so außergewöhnlich und damit sehr beliebt ist, muss man entweder früh kommen oder stundenlang anstehen.

Ich entscheide mich für früh kommen, so ein Sandbad am frühen Morgen hat auch Charme. Ich bin eine knappe halbe Stunde vor Öffnung des Bades da, weil der Sonntagsfahrplan des Busses es so will – und bin nicht die erste. Aber immerhin die dritte. An der Kasse bekomme ich eine Yukata, einen dünnen Bademantel aus Stoff, und erwerbe käuflich ein kleines Handtuch, weil mein leichtes Gepäck das nicht hergibt. Vor der Umkleidekabine zieht man die Schuhe aus, drinnen alles andere. Mit nichts als der dünnen Yukata am Leib marschiere ich barfuß nach draußen.

Die Sandfläche ist klein, etwa 14 Leute können hier in zwei Reihen dicht an dicht liegen (und fotografieren ist verboten). Der Sand ist dunkel und gräulich. Ich werde zwischen einem japanischen Paar und chinesischen Touristen eingegraben. Freundliche Damen erledigen das mit nicht gerade kleinen Schaufeln. Dazu lege ich mich auf ein schon umgegrabenes und damit hübsch warmes Stückchen Sand. Für den Kopf gibt es eine hölzerne Kopfstütze. Dann wird Sand auf mich gehäuft. Er ist angenehm warm, aber auch ziemlich schwer. Von der Körpermitte arbeitet sich die Sandaufhäuferin nach unten, packt schließlich meine Füße ein. Dann wird der Oberkörper in Sand gebettet. Am Ende wird Sand auch um meinen Kopf drapiert. Er reicht mir bis an die Ohren.

Das Sandbad liegt am Meer, doch davon höre ich wenig, weil auf der anderen Seite des Gebäudes eine mehrspurige Straße lang geht, und der Verkehr die Wellen übertönt. Die Japaner genießen schweigend. Die Chinesen … nicht. Die Damen mit den Schaufeln graben einen Besucher nach dem anderen ein, man hört den Sand knirschen. Da man den Kopf nicht mehr drehen kann, wenn er erstmal in den Sand eingearbeitet ist, bleibt nur: Augen zu und genießen.

Nach 15 Minuten endet das Sandbad. Ich muss mich selber aus dem Sand befreien, was ein bisschen Arbeit ist, denn er ist ziemlich nass. Deswegen war er auch so schwer. Einbettet in den warmen Sand war von der Nässe nichts zu spüren, aber nun klebt mir die Yukata am Leib. In einem Eimer kann ich mir den Sand von den Händen waschen, damit ich mein Handtuch nicht vollkrümel, wenn ich mich damit jetzt aufmache Richtung Dusche. Ich habe Sand überall, aber an warmem Wasser zum Duschen mangelt es hier ja nicht. Wer möchte, kann anschließend noch in ein heißes Bad steigen. Ich habe zwar trotzdem noch einen halben Tag lang Sand in den Ohren, aber ansonsten könnte ich mich ans Sandbaden gewöhnen.

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