Bunter geht’s nimmer: Kawaii Monster Café

Die Bässe hört man schon vor der Tür wummern, und wenn selbige erstmal aufgeht, weiß man nicht, ob man sich zuerst die Ohren oder die Augen zuhalten soll. Es ist verdammt laut. Aber vor allem ist alles so schön bunt hier! Wer schon immer mal völlig drogenfrei einen Trip in eine andere Welt erleben wollte, der ist im Kawaii Monster Café im Tokyoer Stadtteil Harajuku richtig. Aber sowas von!

Vorbei an einem noch still stehenden Karussell in Form einer Torte und mit dem schönen Namen Sweets go round, auf dem gleich noch zwei der nicht weniger bunten Monster Girls tanzen werden, geht es in die vier unterschiedlich gestalteten Bereiche des schrillen Cafés. Uns hat es in die Ecke mit dem Namen Milk Stand verschlagen. Die Decke ist mit umgedrehten Babyflaschen bestückt, daneben hängen die überdimensionalen Köpfe eines grünen Schafs, blauen Hasen und rosa Einhorns, die aus Nuckelflaschen trinken. Gegenüber ist die Mushroom Disco, in der gigantische Pilze und Früchte die Tische überschatten. Weiter hinten gibt es das Bar Experiment, das an eine Welt unter Wasser angelehnt ist, und vor allem Quallen als Inspiration hatte. Daneben liegt der Mel-Tea Room, der aussieht, als wäre ein Café im Disneyland explodiert. Und als wäre es nicht schon bunt genug, ist zusätzlich und überflüssigerweise noch Halloween-Deko aufgehängt worden.

Es geht rund

Noch bevor wir unsere Bestellung aufgeben können, wird die Musik nochmal extra laut gedreht. Dann tanzen zwei der Monster Girls, die aussehen, als wären sie direkt aus einem japanischen Comic gestiegen, auf dem inzwischen fröhlich drehenden Karussell. Die Darbietung ist nicht unbedingt künstlerisch wertvoll, aber ganz sicher schräg, und darauf kommt es wohl an. Es folgt der unvermeidliche Aufruf an die Gäste, mitzutanzen. Eine spanische Touristin erbarmt sich und steigt mit aufs Karussell. Nach zehn Minuten ist der Spuk vorbei, und die Musik wird auf eine Lautstärke zurück gedreht, bei der man immerhin seine Bestellung aufgeben kann. Auch wenn man dazu etwas lauter sprechen muss als gewöhnlich.

Selbstredend ist das Essen … bunt! Ich entscheide mich für einen blauen Chickenburger, der mich anguckt. Zum Nachtisch wähle ich aus der saisonalen Halloween-Karte ein Eis mit schwarzer Katze. Das kommt dann vor dem Hauptgericht. Naja, hat es Zeit, etwas anzuschmelzen, damit ich die Cornflakes drumrum in irgendwas eintauchen kann. Die Dame am Nebentisch hat gleich den Katzennapf bekommen. Ein rosafarbener Plastiknapf mit Cornflakes und Süßkram. Muss man mögen. Mein Burger kommt, und ich bin mir nicht sicher, ob die Farbe in der EU zugelassen ist. Aber was tut man nicht alles aus Gründen der journalistischen Recherche, dieser Blog will schließlich gefüllt werden! Der Burger schmeckt ok, ist aber schon etwas abgekühlt. Auch sonst ist der Service in diesem für erstklassigen Service bekannten Land eher mau. Vielleicht geht hier die japanische Jugend hin, wenn sie mal was richtig Rebellisches tun will: schlechten Service teuer bezahlen. Nimm das, Establishment!

Kitsch als Kunst

Ausgedacht hat sich das Ganze Sebastian Masuda, der sich als Künstler ganz der kawaii-Kultur, also der überzeichneten Niedlichkeit verschrieben hat. Man mag sowas für ziemlich abstrus halten, aber der Mann ist nicht nur Gastprofessor an den Kunst-Universitäten von Kyoto und Yokohama, er ist auch einer von knapp über hundert Kulturbotschaftern, die die japanische Regierung ernannt hat. Das Konzept von kawaii ist nämlich international ein Exportschlager (ich sage nur: Hello Kitty!).

Wir waren zum halbwegs familienfreundlichen Nachmittagscafé da. Um 16:30 Uhr schließt das Café kurz, um ab 18 Uhr als Bar wieder aufzumachen. Dann ist es dort wohl nicht mehr ganz so unschuldig, wie die im Café aushängenden Fotos vermuten lassen. Neben dem Essen muss man übrigens auch Eintritt bezahlen, 500 Yen pro Person (aktuell etwas unter vier Euro). Bleiben darf man dafür 90 Minuten, dann muss der Tisch in der Milchbar geräumt werden. Mehr auf der offiziellen Website.

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